E-Book Reader in Buchhandlungen – Eindrücke aus Boston und Zürich

Wer in Boston die grösste Barnes & Noble-Filiale besucht, kommt am Nook nicht vorbei: Gleich beim Eingang präsentiert der Buchhandelsriese grosszügig seinen E-Book-Reader. Zudem wird man als Kunde von geschultem Personal unerbittlich darauf angesprochen – unabhängig davon, ob man gerade einen Nook testet oder möglichst zielstrebig an den Teststationen vorbeisteuert. All dies zeigt deutlich: E-Books sind für Barnes & Noble wichtig.

Ganz anders im Stammhaus von Orell Füssli in Zürich: E-Book-Reader sind hier im obersten Stock bei den Computer-Fachbüchern zu finden, also weit weg von den grossen Kundenströmen. Bei meinem letzten Besuch waren es zudem gerade einmal drei Exemplare, die zudem recht lieblos präsentiert werden. Warum dieser Unterschied?

Die stereotype Erklärung, dass sich in den USA technische Innovationen schneller durchsetzen als in Europa, greift für einmal zu kurz. Der Hauptgrund dürfte vielmehr darin liegen, dass Barnes & Noble durch den Verkauf des eigenen Readers die Kunden an seinen Nook Bookstore binden kann. Orell Füssli dagegen verkauft nur Reader von Drittanbietern (z.B. Sony oder iRiver), und den Content dafür muss die Kunde nicht unbedingt bei books.ch beziehen.

Während also der Shift von gedruckten zu elektronischen Büchern für Barnes & Noble eine Chance darstellt (stärkere Kundenbindung, weniger Distributionsaufwand), ist er für Orell Füssli und den übrigen stationären Buchhandel primär eine Bedrohung. So wie viele Plattenläden durch die iPod-Revolution ihre Existenzgrundlage verloren haben, so dürften E-Books mancher Buchhandlung den Todesstoss geben.

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