Microsoft und Open Source – Konkurrenz oder Kollaboration?

Thomas Reitze an der OpenExpo 2010

Im Rahmen der OpenExpo sprach Thomas Reitze (Director Public Sector von Microsoft Schweiz) heute in Bern über das Verhältnis von Microsoft zu Open Source Software. Microsoft-Gründer Bill Gates gilt ja seit seinem Open Letter to Hobbyists von 1976 als Vorreiter von proprietärer (und kostenpflichtiger) Software. Dass das Verhältnis zur Open-Source-Community kein einfaches sein kann, liegt deshalb auf der Hand, und entsprechend war das Referat gut besucht.

Reitze stellte zunächst klar, dass die Entwicklung von proprietärer Software nach wie vor ein sinnvolles und legitimes Business-Modell darstelle. Microsoft investiere jährlich 9.5 Mrd. US-Dollar in Forschung und Entwicklung, und dass das resultierende Geistige Eigentum geschützt und kommerzialisiert werde, sei somit legitim. Er forderte insbesondere in Ausschreibungen der Öffentlichen Hand eine Gleichbehandlung der Anbieter: “Es gibt keinen Anlass, den Markt aufgrund von politischen Motiven zu übersteuern.”

Dem Argument, Open Source Software sei kostengünstiger, hielt Reitze entgegen, dass Lizenzgebühren nur 7 Prozent einer Informatiklösung ausmachten, während weit mehr als die Hälfte Personalkosten seien. Wer die Kosten für Einführung, Support und Unterhalt mitberücksichtige, habe bei proprietärer Software keinen Nachteil. Reitze vergass auch nicht zu erwähnen, dass allein bei Microsoft-Partnern 14’000 Schweizer Arbeitsplätze ganz direkt von Microsoft abhängen.

Etwas knapp wurde der Aspekt behandelt, dass Microsoft auch Initiativen im Bereich der Open Source Software hat. So werden beispielsweise auf CodePlex rund 9’000 Open-Source-Projekte gehostet.

Dass sich Reitze an der OpenExpo quasi in die Höhle des Löwen wagte ist ein weiteres Indiz dafür, dass Microsoft die Konkurrenz durch Open Source Software ernst nimmt – insbesondere seit sich eine politische Lobby für Freie Software zu bilden beginnt (vgl. Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit). Reitze rief eindringlich dazu auf, die Diskussion über Software nicht dogmatisch oder politisch zu führen, sondern differenziert und lösungsorientiert.

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