Mobino: Mobile Payment Made in Switzerland

Pointiert formuliert könnte man sagen: Die Printmedien stecken nur deshalb in der Krise, weil sich bis heute kein einheitliches Micropayment-System für digitale Inhalte durchsetzen konnte. Die Gratismentalität im Netz gibt es nämlich keineswegs nur deshalb, weil die Nutzer nicht für Online-Content bezahlen wollen, auch deshalb, weil sie es oft nicht können – zumindest dann nicht, wenn sie nur einen einzelnen Artikel lesen und nicht gleich ein Jahresabonnement abschliessen möchten. Aus Sicht der Verlage macht das Abo-Modell natürlich Sinn, aber in der On-Demand-Kultur des Internets ist es ein Anachronismus.

Ein niederschwelliges Bezahlsystem für den Einzelkauf ist (nebst fairen Preisen) der Schlüssel zum Erfolg im Online-Content-Geschäft, wie uns Apple mit dem iTunes Store eindrücklich vorgeführt hat. Aber natürlich möchten die Medienhäuser ihre digitalen Inhalte lieber ohne Apple verkaufen, denn Apple kassiert 30 Prozent aller Einnahmen und bestimmt zudem, was in den Store kommt und was nicht. Ein universelles, neutrales Micropayment-System wäre also weiterhin sehr interessant für Verlage, Autorenkollektive oder Blogger (und nicht nur diese).

Mit Mobino geht gerade ein vielversprechendes neues System an den Start, das ganz auf das Mobiltelefon setzt: Die Handynummer ist zugleich der Identifikator der Teilnehmer im Zahlungsverkehr, und Zahlungen werden über eine Smartphone-App ausgelöst. Hierzu schickt der Verkäufer – sei es eine Privatperson, ein Kassierer im Laden oder ein Online-Shop – dem Käufer eine Zahlungsanforderung für einen bestimmten Betrag aufs Handy. Der Käufer authorisiert dann die Zahlung durch Eingabe seines PIN.

Der Vorgang ist so einfach, wie er nur sein kann, und die App ist schön gemacht. Damit sich ein solches System etablieren kann braucht es allerdings mehr, namentlich finanzielle Anreize. Mit einer Komission von nur 1 Prozent des Transaktionswerts ist Mobino diesbezüglich sehr attraktiv, ausserdem entfallen jegliche Hardware-Investitionen am POS. Zusätzlich lockt Mobino neue Nutzer mit einem Startguthaben von 10 Franken. Es lohnt sich also, die App schon jetzt zu installieren, auch wenn man das Geld nicht ausgeben kann, solange sich das System noch im Probebetrieb befindet. Sobald es dann ernst gilt, kann man sein Mobino-Konto mit einem Postfinance- oder Bankkonto koppeln und so Guthaben aufbauen bzw. abziehen. Mit Kreditkartenfirmen will Mobino hingegen ausdrücklich nicht zusammenarbeiten: „We do not plan to accept credit cards. Ever.“

Liebe Schweizer Medienhäuser: Wäre es nicht eine historische Chance, gemeinsam auf diese neue, in der Schweiz entwickelte Micropayment-System zu setzen und damit dem Paid Content nochmals eine Chance zu geben?

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