Neue Medien dieses Landes: Vereinigt Euch!

Sie sind nicht die ersten und werden nicht die letzten sein: Constantin Seibt («Tages-Anzeiger») und Christof Moser («Schweiz am Sonntag») haben ihre Stelle bei Tamedia bzw. AZ Medien gekündigt und planen unter den Code-Namen «Project R» ihr eigenes Ding. Vom festangestellten Journalisten zum Medienunternehmer ist es ein grosser Schritt, und die beiden machen ihn nicht ganz freiwillig. Ernüchtert durch Fusionen und Sparmassnahmen, mit denen etablierte Medienhäuser auf die Medienkrise reagieren, treten Seibt und Moser die Flucht nach vorne an.

Wie gesagt: Sie sind nicht die ersten. Nehmen Sie «Journal 21» oder «Infosperber», «Tsüri» oder «Journal B» – immer wieder werden neue Medien gegründet mit dem Ziel, kompetenten, kritischen und kreativen Journalismus zu machen. Das ist erfreulich und bitternötig. Allerdings ist Begeisterung für guten Journalismus zwar eine zwingende, aber keine hinreichende Voraussetzung dafür, ein nachhaltig erfolgreiches Medienunternehmen aufzubauen.

Ein guter Journalist ist selten ein guter Unternehmer (und umgekehrt). Zudem hat man es als Medienunternehmer im Internet-Zeitalter ungleich schwerer als noch vor 20 Jahren, als teure Druckmaschinen und knappe Sendefrequenzen monopolähnliche Strukturen begünstigten, was den Verlegern satte Gewinne garantierte. Die Digitalisierung hat ein mediales Überangebot geschaffen, und davon profitieren sowohl Werbetreibende als auch Medienkonsumenten – auf Kosten der Medienunternehmen, denen sowohl Werbeeinnahmen also auch Aboerträge einbrechen.

Die Illusion von neuen Ertragsmodellen

Jungunternehmer im Medienbusiness sprechen deshalb gerne von neuen Ertragsmodellen, die sie erproben wollen. Da scheint mir allerdings der Wunsch der Vater des Gedankens, denn nach meiner Beobachtung gibt es nach wie vor nur drei wesentliche Ertragsquellen im Medienbusiness: Werbetreibende, Medienkonsumenten und Förderer (Staat, Stiftungen, Mäzene). Mit Content-Lizenzierung, Events oder Merchandising lässt sich vielleicht noch etwas dazuverdienen, aber das war’s dann auch mit den Ertragsmodellen.

Wenn Journalisten zu Medienunternehmern werden, dann haben sie wahrscheinlich nicht das grosse Geld vor Augen, sondern das grosse Publikum. Trotzdem müssen sie von etwas leben. Wenn Journalismus tatsächlich etwas ist, was einem echten Bedürfnis entspricht – wäre es dann nicht am konsequentesten, das notwendige Geld direkt bei diesem Publikum einzufordern, statt auf quersubventionierte Geschäftsmodelle zu bauen? Ich behaupte: Es gibt durchaus Menschen, denen guter Journalismus etwas wert ist. Allerdings muss man es diesen Menschen viel einfacher machen, dafür zu bezahlen.

Das Abonnement ist ein Anachronismus

Medien-Startups funktionieren noch immer nach dem Prinzip der Printmedien: Sie wollen Stammleser gewinnen, d.h. Medienkonsumenten durch Abonnemente an sich binden. Das ist zwar verständlich, weil es Planungssicherheit bietet, aber es entspricht nicht mehr dem Medienkonsum im Internet-Zeitalter. Ich persönlich jedenfalls lese selektiv quer durch alle Publikationen hindurch, und es werden immer mehr. Wenn ich jede einzelne Publikation angemessen entschädigen wollte, dann wäre dies unendlich aufwändig. Und so bleibt es meist beim guten Vorsatz: Ich unterstütze Medien-Startups zwar ideell, aber nicht monetär.

Was ich mir wünschen würde, wäre etwas, das wie ein Generalabonnement oder ein Museumspass funktioniert: Ich zahle einmal einen anständigen Betrag, nutze das gesamte Angebot und kann mich darauf verlassen, dass mein Geld nach einem fairen Schlüssel unter den Anbietern verteilt wird. Also liebe Medien-Startups: Lasst Euch was einfallen, statt uns einzeln mit Crowdfunding-Kampagnen, Micropayment-Lösungen, Gönner-Abos und anderen lustigen Zahlungsoptionen zu überschwemmen. Rauft Euch zusammen, einigt Euch auf einen sinnvollen Verteilschlüssel, entwickelt einen gemeinsamen Single-Sign-On-Mechanismus und schafft das GA für Qualitätsjournalismus!

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