Unterwegs mit dem Kindle

Amazon Kindle Keyboard

Seit zwei Wochen bin ich nun mit meinem Kindle 3 (der in Abgrenzung zum neusten Kindle Touch auch als Kindle Keyboard bezeichnet wird) unterwegs – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Es liest sich ausgesprochen angenehm auf dem reflexionsfreien E-Ink-Display mit der anpassbaren Schriftgrösse – mindestens so angenehm wie auf Papier. Die Lesegeschwindigkeit ist sogar eher höher, denn man hat jederzeit einen optimalen Blickwinkel auf die gesamte Seite, und es blättert sich sehr bequem. Weil der Kindle 3 so leicht ist, kann man ihn gut längere Zeit in der Hand (auch nur in einer Hand) halten – zumindest gegenüber gebundenen Büchern hat das E-Book auch hier einen Vorteil.

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Ferienlektüre für 3 Wochen: 241 Gramm

Amazon Kindle Keyboard

Wenn um Literatur geht, bin ich traditionell: Ich kann mir nicht vorstellen, einen Roman auf meinem iPad zu lesen. Das liegt weniger am Bildschirm (Fachliteratur lese ich häufig am Computer) als am Ablenkungspotential dieses Geräts. Der Internetzugang und die vielen Apps sind ein Musse-Killer, und ohne Musse kann man Belletristik nicht geniessen.

Dass ich in meinen nächsten Ferien nun doch digitale Bücher lese, liegt an Amazon, genauer am Kindle 3. Ich hatte schlicht keine Lust, zwei Kilo Bücher mit mir herumzuschleppen. Ich hatte auch keine Lust, mir jetzt schon zu überlegen, was ich lesen will. Und irgendwann war es dann wie selbstverständlich, dass ich einen E-Book-Reader brauche, zumindest für Ferienreisen. Das gestochen scharfe Schriftbild, der geringe Stromverbrauch, der nicht-spiegelnde Bildschirm, das geringe Gewicht und die 3G-Flatrate für den Bücherkauf auf der ganzen Welt waren überwältigende Argumente für den Kindle. Was mir aber fast am besten gefällt ist das, was ihm fehlt: ein Video-Player, ein (vernünftiger) Web-Browser, Apps. Mit dem Kindle kann man hervorragend lesen – und sonst eigentlich nichts. Anna Karenina habe ich schon zur Hälfte durch…

Apple muss jetzt in den sauren Apfel beissen

Steve Jobs ist nicht länger iCEO von Apple. Das ist zunächst bitter für ihn selbst, musste er doch bereits zum zweiten Mal in seinem Leben den Chefsessel «seines» Unternehmens unter Zwang räumen, diesmal wohl wegen gesundheitlicher Probleme. Das ist aber auch bitter für Apple, denn die technischen Innovationen und der wirtschaftliche Erfolg des letzten Jahrzehnts sind zu grossen Teilen der Verdienst von Steve Jobs.

Jobs hat die Konsequenzen der Digitalisierung viel besser verstanden als die meisten seiner Konkurrenten, und er hat es geschafft, sein Unternehmen entsprechend auszurichten: Als er 1997 den Chefposten bei Apple übernahm, war das Unternehmen ein angeschlagener Nischenanbieter im PC-Markt. Heute hat Apple (das seit 2007 konsequenterweise nicht mehr Apple Computer heisst) ein einzigartiges System aus Endgeräten, Betriebssystem und Vertriebskanälen für digitalen Content, das sowohl Hardware-Hersteller (man denke an HP) als auch Content-Anbieter (man denke an Labels und Verlage) vor Neid erblassen lässt.

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re:publica XI – Eine Bilanz

Souvenirs von der re:publica 2011 in Berlin

Souvenirs von der re:publica 2011 in Berlin

Die re:publica, Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft, ist heute zu Ende gegangen. Hat sie die Erwartungen erfüllt? Wofür steht eigentlich dieser Event, der sich innert fünf Jahren von einem Blogger-Treffen zu einem Social-Media-Kongress mit einigen tausend Teilnehmern entwickelt hat?

Auffallend ist, dass in den drei Tagen eigentlich nie von Technik und auch ganz selten von der kommerziellen Nutzung des Internets gesprochen wurde. An der re:publica geht es ganz zentral um die res publica, also um die «öffentliche Sache»: Hier wird diskutiert, wie das Internet die Gesellschaft verändert – und wie das Internet genutzt werden kann, um die Gesellschaft zu verändern. Die re:publica ist eine politische Veranstaltung im besten Sinn. Hier geht um Informationsfreiheit und Netzneutralität, um den Nutzen von Social Media für Menschenrechtsaktivisten und Korruptionsbekämpfer, um Wistleblower-Plattformen und Open Data.

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re:publica XI – Beyond copyright, beyond WikiLeaks, beyond PayPal

re:publica 2011, Berlin, Kalkscheune

re:publica 2011, Berlin, Kalkscheune

Manchmal ist es reine Glückssache, ob man an einem Kongress mit bis zu acht Tracks gerade in derjenigen Session sitzt, die man unbedingt gesehen haben muss. Gelegentlich bleibt man von einem interessanten Referat ausgeschlossen, weil der Platz in der Kalkscheune mal wieder nicht gereicht hat; gelegentlich lässt man sich aber auch von einem vielversprechenden Titel begeistern und wird dann von einem Langweiler eine Stunde lang mit Banalitäten versorgt.

Am zweiten Tag der re:publica 2011 habe ich mich deshalb an die Sessions im Friedrichstadt-Palast gehalten – in der Annahme, dass die Veranstalter in ihrem grössten Saal ihre wichtigsten Referenten auftreten lassen. Dadurch verpasste ich leider den Games Track im Quatsch Comedy Club nebenan, wo es unter anderem um Serious Games und um Spielsucht ging.

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re:publica XI – Masse ist Klasse

re:publica 2011, Berlin, Friedrichstadt-Palast

re:publica 2011, Berlin, Friedrichstadt-Palast

Wer das Generalthema in den verschiedenen Referaten und Workshops an der re:publica 2011 sucht, findet es leicht: Es geht um die Masse (Crowd) und wie sie über das Internet produktiv werden kann.

«Design ist zu wichtig, um es den Designern zu überlassen», postulierte beispielweise Philipp Schäfer. Seiner Meinung nach müssen zwingend die Benutzer in jegliche Design-Prozesse involviert werden. Und seine Lösung für komplexe Fragestellungen besteht in der Crowdsourcing-Plattform OpenIDEO.

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Der Steve Jobs der Wikipedia: Jimmy Wales erhält den Gottlieb-Duttweiler-Preis 2011

Jimmy Wales: Preisverleihung im Gottlieb Duttweiler Institut

Man muss ihn einfach gern haben: Obwohl Jimmy Wales mit seiner Idee einer freien Enzyklopädie die Welt des Wissens revolutioniert hat, wirkt er bescheiden, freundlich, geduldig, ehrlich, engagiert. Und während er routiniert den Applaus der im Gottlieb-Duttweiler-Institut GDI versammelten Prominenz entgegennimmt, vergisst er nicht, den Dank an die unzähligen Freiwilligen weiterzureichen, welche die Wikipedia erst möglich machen. Die allermeisten Wikipedianer sind, so verrät er uns, einfach nette Menschen, und er lässt gleich einige von ihnen persönlich auf Grossleinwand erklären, was sie an der Wikipedia fasziniert.

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Zum 10. Geburtstag: Wikipedia, der Albtraum der Werber

Die Wikipedia ist eine Realität gewordene Utopie – wenn man Wissenschafter, Journalist, Demokrat oder Humanist ist. Die Wikipedia ist ein Albtraum – wenn man Werber ist. Warum?

Werber suchen Reichweite. Die Wikipedia hat eine unglaubliche Reichweite: Sie gehört zu den am häufigsten besuchten Websites im Internet, und sie belegt Spitzenplätze in den Trefferlisten von Googles Suchmaschine. Wenn die Wikipedia ein kommerzielles Projekt wäre, könnte sie ihre Werbeplätze für teures Geld verkaufen. Ist sie aber nicht, die Finanzierung läuft ausschliesslich über Spenden, und so gibt es auch keine Werbeplätze. Das muss jeden Werber in den Wahnsinn treiben: Ein idealer Werbeträger, der keine Werbung publizieren will!

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Impressionen vom BlogCamp Switzerland

Peter Hogenkamp am BlogCamp Switzerland 2010

Wenn Peter Hogenkamp über seine ersten vier Wochen als Leiter Digitale Medien bei der NZZ referiert, dann braucht man nicht lange zu überlegen, in welche Session man reinsitzt: Das Thema ist an sich schon hoch spannend, und Hogenkamp ist nicht nur ein schneller Denker, sondern auch ein Entertainer mit Biss. Was er alles erzählt hat darf ich aber leider nicht im Detail wiedergeben: An einem BlogCamp erfährt man auch hie und da etwas, was man zwar unter Insidern gerne austauscht, was aber nicht die ganze Welt zu wissen braucht. Und dass man sich als Blogger an die Regeln hält, die der Speaker vorgibt, ist Ehrensache.

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Googles Misserfolge

Google Failures

Die Ankündigung von Google, Wave einzustellen, hat hohe Wellen geworfen (man sehe mir das allzu naheliegende Wortspiel nach). Das hat weniger damit zu tun, dass viele Anwender ihrer Plattform nachtrauern (sie wird ja genau deshalb eingestellt, weil sie zu wenig Anwender hat), sondern dass man sich nur schwer vorstellen kann, dass Google etwas misslingt. Ähnlich wie man Steve Jobs keinen ernsthaften Lapsus zutraut (Antennagate ist ja allein Mark Papermasters Schuld, Steve hat das iPhone G4 vor der Auslieferung nie gesehen!), so gibt man sich gerne der Illusion hin, Google habe nebst der Lizenz zum Gelddrucken auch die Genialität, den Erfolg ihrer Suchmaschine mit jedem anderen Projekt zu reproduzieren.

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