Viral Marketing via Blogs: Das Beispiel Mindjet

Mindjet (Screenshot)

«Mindjet ist überzeugt, dass […] Blogs die Kommunikation revolutionieren und herkömmliche Grenzen zwischen informeller und formeller Kommunikation nachhaltig aufweichen.»

Aus dieser Überzeugung heraus verschenkte Mindjet mitte Juli ihre Mindmapping-Software MindManager an alle Schweizer Blogger. Diese brauchten nichts weiter zu tun, als per Mail die Adresse ihres Blogs, das gewünschte Betriebssystem sowie die bevorzugte Sprache mitzuteilen und erhielten dann einen unlimitierten Lizenzschlüssel – ohne jegliche Verpflichtung. Geniales Marketing oder ein plumper Versuch, die Blogger als Publicity-Maschine zu missbrauchen?

MindJet selbst zeigte sich zwei Monate später zufrieden: Man habe durchwegs positive Feedbacks von den Bloggern erhalten und rund 60 Lizenzen verschenkt. Das ist wenig überraschend: Wer gratis und ohne Gegenleistung eine hochwertige Software angeboten erhält, freut sich in aller Regel darüber. Für die 60 Blogger hat sich die Aktion also sicher gelohnt, zumal sie keine Zeile darüber bloggen mussten, wenn sie nicht wollten. Die Frage ist vielmehr, ob sich die Aktion für MindJet ausgezahlt hat.

Wer sich auf diese Weise ins Gespräch bringt, muss sich eines bewusst sein: Der kommunikative Effekt ist kaum steuerbar. Selbst wer ein hervorragendes Produkt hat, kann von den Bloggern in die Pfanne gehauen werden – weil sie diese Form des Marketings generell nicht goutieren oder weil sie ungeschickt angsprochen wurden. Im Fall von MindJet war das Echo zwar wohlwollend, die Blogger haben aber primär über die ungewohnte Marketing-Aktion geschrieben – nicht über die Qualitäten des Produkts. Damit haben sie zwar andere Blogger motiviert, ebenfalls eine Gratislizenz zu bestellen, aber kaum einen kritischen Käufer überzeugt. Was bleibt sind einige zusätzliche Nennungen des Produktnamens und ein paar zusätzliche Links auf die Hersteller-Website, was bekanntlich die Platzierung in Suchmaschinen verbessert.

Ob es sich gelohnt hat, dafür Software im Handelswert von 20’000 Euro wegzuschenken? Aus Sicht von Mindjet offenbar ja, denn das Angebot wurde bis Ende dieses Jahres verlängert.

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